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Dienstag, 31. Januar 2012 - 02:29 Uhr
26. Januar 2012 Biowissenschaften Verhaltensforschung Zoologie
26. Januar 2012
Biowissenschaften Verhaltensforschung Zoologie
Wanzen wenig wählerisch
Von Cornelia Dick-Pfaff
Blutsaugende Bettwanzen reagieren nicht speziell auf Bestandteile menschlichen Körpergeruchs, sondern auf flüchtige Substanzen, die viele Wirbeltiere abgeben
Lund (Schweden) - Bettwanzen sind offenbar nicht zwangsweise auf menschliche Opfer aus: Der Geruchssinn der Blutsauger springt nicht etwa auf Geruchskomponenten an, die ausschließlich für den Menschen charakteristisch sind, haben schwedische Forscher bei den lästigen Krabbeltieren beobachtet. Vielmehr reagieren die lästigen Parasiten primär auf flüchtige Substanzen, die von Warmblütern aller Art abgesondert werden, berichten die Wissenschaftler im „Journal of Experimental Biology”. Bisher sind kaum Details über die kulinarischen Vorlieben von Bettwanzen bekannt. Umfassende Erkenntnisse könnten beispielweise bei der Entwicklung effektiver Lockmittel für Fallen helfen.
Bevor sie ihre Tests mit Bettwanzen starten konnten, standen Vincent Harraca von der Universität Lund und seine Kollegen zunächst vor der Herausforderung, Proben menschlichen Körpergeruchs zu sammeln. „Um das zu tun, braucht man Tüten, die keinerlei Geruch entlassen. Am besten sind Bratschläuche, in denen man Hühnchen oder Truthahn brät, aber es gibt keine Bratschläuche in Menschengröße“, schmunzelt Harraca. Das Problem lösten die Forscher, indem sie mehrere der Plastiktüten mit Hitze zusammenschweißten. Dann mussten sie nur noch Freiwillige finden, die unbekleidet für zweieinhalb Stunden in den überdimensionalen Bratschläuchen schwitzen. Schließlich hatten sie die geballten Ausdünstungen von acht Probanden gesammelt. Aus den menschlichen Geruchsproben isolierten sie hundert unterschiedliche Verbindungen.
Als Harraca und seine Kollegen testeten, worauf genau Bettwanzen nun reagieren, stellten sie zu ihrer Überraschung fest: Der Geruchssinn der Insekten sprach nur auf fünf der identifizierten Verbindungen an – auf vier Aldehyde und ein Keton. Diese Stoffe sind nicht im Geringsten charakteristisch für Menschen. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass die lästigen Blutsauger nicht sonderlich wählerisch bei der Suche nach ihrer Futterquelle sind. In weiteren Versuchen konfrontierten sie Bettwanzen mit den natürlichen Gerüchen der Probanden. In einer aus zwei Petrischalen konstruierten, doppelstöckigen Arena zeichneten die Forscher die Bewegungen der Insekten auf Video auf. In einer Hälfte der unteren Schale befand sich ein Filterpapier mit der Geruchsprobe, in der oberen Schale die Bettwanze.
In diesem Experiment beobachteten sie, dass zu intensive Gerüche eine eher abschreckende Wirkung haben. Aber auch verdünnte Körpergerüche hatten keinen übermäßig anziehenden Effekt. Menschliches Aroma allein scheint demnach nicht sonderlich attraktiv. Bei der Suche nach einer schlummernden Futterquelle leiten die Insekten auch weitere Sinne, vermuten Harraca und sein Team. So könnten auch Wärme und Kohlendioxid-Ausdünstung eine Rolle spielen. Allerdings ist die individuelle Zusammensetzung des Körpergeruchs wohl durchaus von Bedeutung für die Attraktivität eines Opfers: Auf die Probe einer der Probanden reagierten die Blutsauger mit leicht größerem Interesse.
Bettwanzen sind Parasiten, die menschliche Nähe suchen und damit klassische Zivilisationsfolger sind. Sie ernähren sich von Blut, werden dabei aber nicht ausschließlich beim Menschen, sondern auch bei Haustieren, Fledermäusen und Vögeln fündig. Galten sie lange Zeit eher als wenig angenehme Erinnerung aus grauer Vorzeit, sind die lästigen Krabbler mittlerweile vielerorts wieder auf dem Vormarsch.
© Wissenschaft aktuell
Dienstag, 24. Mai 2011 - 01:39 Uhr
Der grüne Balken kommt auch nach Berlin
Kakerlaken, vergammelte Produkte - wie es um die Hygiene in Betrieben geht, wissen die Verbraucher nicht. Eine Hygiene-Ampel soll das ändern.
Ein mehrfarbiges Kontrollbarometer soll die Verbraucher künftig darüber aufklären, ob sie in einem Restaurant, einem Imbiss oder einer Kantine ohne Angst vor hygienischen Mängeln essen können. Darauf habe sich nach Angaben des nordrhein-westfälischen Ministeriumssprechers Frank Seidlitz eine von den Länder-Verbraucherschutzministern eingerichtete Arbeitsgruppe geeinigt. Mit der Hygiene-Ampel sollen die Ergebnisse der Lebensmittelkontrolle öffentlich gemacht werden. Bislang ist dies nicht der Fall. In sieben Stufen soll die Ampel eingeführt werden.
Kennzeichnen soll sie letztlich Bäckereien und Restaurants ebenso wie Wochenmarktstände. Bewertet wird auf einer Punkteskala und mit Farben von grün bis rot. Dem Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure zufolge droht bis zu fünf Prozent aller Betriebe eine rote Markierung. Das neue Gütesiegel soll noch im Frühjahr eingeführt werden. "Dann ist Schluss mit dem Russisch Roulette beim Essengehen am Samstagabend", sagte der Sprecher. Das Kontrollbarometer werde in drei Skalen aufgeteilt sein: Grün, wenn alles in Ordnung ist; Gelb wenn die Anforderungen teilweise erfüllt wurden; und Rot, wenn es Beanstandungen gab.
Der "Restaurant-Smiley" ist vom Tisch, jetzt kommt der Grüne Balken
Die Verbraucherschutzminister der 16 Bundesländer hatten sich bereits im September 2010 grundsätzlich auf einheitliche Standards für die Kontrolle von Restaurants geeinigt. Durch eine Kennzeichnung am Eingang sollen die Kunden zudem auf den ersten Blick erkennen können, wie es um die Hygiene in dem Lokal bestellt ist. Eine deutschlandweite Einführung des "Smiley"-Symbols, wie es bereits in Dänemark genutzt wird, hatte im Bundestag keine Mehrheit gefunden. In dem Land zeigen Piktogramme mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken an, wie ein Restaurant bei Überprüfungen abgeschnitten hat.
In Deutschland soll ein Pfeil auf dem geplanten Kontrollbarometer zeigen, wie eine Gaststätte bei den letzten drei Kontrollen bewertet wurde. Nachprüfungen auf Wunsch des Betreibers solle es nicht geben, kündigte Nordrhein-Westfalens Verbraucherminister Johannes Remmel (Grüne) bereits an. Der Vorschlag der Arbeitsgruppe dient als Grundlage für eine Entscheidung der Länder-Verbraucherschutzminister, die am Donnerstag in Bremen über die deutschland weite Einführung entscheiden.
NGG fordert auch Berücksichtigung der Arbeits- und Ausbildungsvergütung
Kritisch gegenüber dem Ampelsystem äußerte sich am Mittwoch bereits die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Sie hält den Vorschlag der LAV, die Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen statt mit einem Smiley mit grünen, gelben oder roten Farbbalken deutlich sichtbar zu dokumentieren, für völlig unzureichend. Genau so wichtig wie die Bewertung von Hygiene-Standards ist die Frage nach vernünftigen Arbeits- und Ausbildungsbedingungen und der Einhaltung von Tarifverträgen, so der NGG-Vorsitzende Franz-Josef Möllenberg.
Nach außen hin hui , gegenüber den Mitarbeitern pfui? Dass mit der geplanten Regelung auch solche Firmen ein offizielles Gütesiegel bekommen können, die zwar hygienisch einwandfrei arbeiten, ihren Mitarbeitern aber weder Tariflöhne zahlen noch die Arbeitsschutzbestimmungen einhalten, stößt dem NGG-Vorsitzenden sauer auf. Eine solche Reduzierung auf hygienische Sauberkeit nutze weder den Beschäftigten noch den Kunden und schade allen Unternehmen, die Wert auf gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen und die Einhaltung von Tarifverträgen legen.
Gewerkschaft fordert Informantenschutz
Gerade in der Gastronomie sei das Unterlaufen von Tariflöhnen und Arbeitszeitgesetz an der Tagesordnung. Dass das Barometer eine Wertung enthalte, die massive Auswirkungen auf den Wettbewerb habe, wie der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde kritisiert, sei Sinn der Sache und nur für Schmuddelbetriebe eine Bedrohung.
Möllenberg fordert die Länder-Verbraucherschutzminister und Verbraucherministerin Ilse Aigner dazu auf, bei ihrer Sonderkonferenz am Donnerstag nachzubessern. Notwendig sei zudem ein Informantenschutz, der diejenigen wirksam schützt, die trotz großer Angst um den Arbeitsplatz bereit sind, relevante Verstöße im Betrieb öffentlich zu machen.
(shz, dpa, ddp)
Mittwoch, 23. März 2011 - 08:27 Uhr
Der Smiley kommt doch nicht!
Der „Restaurant-Smiley“ ist vom Tisch, denn jetzt kommt der ein Grüner Balken: Ein Kontrollbarometer das mehrfarbig ist soll die VKunden künftig darüber aufklären, ob sie in einem Restaurant, einem Hersteller oder einer Kantine ohne Angst vor hygienischen Mängeln essen können. Darauf habe sich eine von den Verbraucherschutzministern eingerichtete Arbeits-Gruppe geeinigt, sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Ministeriums am Sonntag.
Dieses Siegel soll im Frühjahr 2011 eingeführt werden. „Dann ist Schluss mit dem Russisch Roulette beim Essengehen! ,Das Kontrollbarometer werde in drei Skalen aufgeteilt sein: Grün, wenn alles OK ist; Gelb, wenn die Anforderungen teilweise erfüllt wurden; und Rot, wenn es Beanstandungen gab oder gibt.
Das Smiley-System wurde vom Bundestag abgelehnt.
Die Verbraucherschutzminister der 16 Bundesländer hatten sich bereits im September 2010 grundsätzlich auf einheitliche Standards für die Kontrolle von Restaurants geeinigt.
Durch eine Kennzeichnung am Eingang sollen die Kunden zudem auf den ersten Blick erkennen können, wie es um die Hygiene in dem Lokal bestellt ist.
Eine deutschlandweite Einführung des „Smiley“-Symbols, wie es bereits in Dänemark genutzt wird, war von der Verbraucherministerkonferenz vorgeschlagen worden, hatte aber im Bundestag keine Mehrheit gefunden. In Dänemark zeigen Piktogramme mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken an, wie ein Restaurant bei Überprüfungen abgeschnitten hat.
Donnerstag, 3. Februar 2011 - 18:49 Uhr
Nagerplage in Paris
Quelle Süddeutsche Zeitung 24.01.2011
Nagerplage in Paris
Stadt der Ratten
24.01.2011, 21:55
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Von Stefan Ulrich
Im Zentrum von Paris kommen zehn Ratten auf jeden Einwohner. Die Stadt kommt mit der Bekämpfung nicht mehr nach, ein einziges Rattenpaar kann 5000 Nachfahren zeugen. Selbst vor dem Élysée-Palast machen die Nager nicht halt.
In Paris lässt es sich gut leben, finden jedenfalls die Ratten. Etwa sechs Millionen der pelzigen Tiere aus der Gruppe der Altweltmäuse sollen in den Abwasserkanälen, Kellern, Wohnungen und Speichern der Metropole hausen. Genaue Zahlen sind nicht zu bekommen, denn bislang hat noch keine Rattenvolkszählung stattgefunden. Die Zeitung Libération warnte jedoch 2010, in der gesamten Hauptstadtregion habe die Zahl der Ratten in den vergangenen fünf Jahren um 40 Prozent zugenommen. In den schäbigeren Arrondissements der Stadt kämen zehn Ratten auf jeden Einwohner. "Wir sind nicht in Dhaka, der Kapitale von Bangladesch, sondern mitten in Paris", wunderte sich die Zeitung.
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Sechs Millionen Ratten sollen sich in den Pariser Abwässerkanälen, Kellern und Wohnungen tummeln. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn bislang hat noch keine "Rattenvolkszählung" stattgefunden. (© AP)
Derzeit treiben es die Ratten besonders bunt. So blieb der große, beliebte "Parc des Chanteraines" bei Paris vergangene Woche für das Publikum geschlossen, um den Tieren mit 700 Fallen nachzustellen. "Seit einigen Monaten wird eine exzessive Präsenz von Nagern festgestellt", warnen die Behörden. Allein bei der Einheit für Schädlingsbekämpfung der Pariser Polizeipräfektur gingen im vergangenen Jahr 2600 Beschwerden wegen Ratten und Mäusen ein. Dabei machen die Tiere weder vor dem Élysée-Palast noch vor vornehmen Wohnungen im 16. Arrondissement halt.
"Niemand wird verschont, weder die Luxushotels noch die Ministerien", sagte Frédéric Devanlay von der Schädlingsbekämpfungs- und Hygiene-Firma Avipur der Zeitung Parisien. Er gibt zu bedenken: "Ein einziges Rattenpaar kann innerhalb eines Jahres 5000 Nachfahren bekommen." Für die Spezialfirmen ist diese Fruchtbarkeit nicht unbedingt von Nachteil. Die Aufträge der Kunden nähmen seit Jahren zu, heißt es bei Avipur. Bei der Firma "SOS nuisibles" verweist man darauf, viele Pariser Häuser seien sehr alt und voller Risse, Löcher und doppelten Wänden, in denen die Tiere viele Verstecke finden.
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Einige Entrattungs-Experten meinen, derzeit seien besonders viele der Nager zu sehen, weil der Winter hart gewesen sei. Die Ratten kröchen aus den Kanälen und suchten in den Häusern Wärme und Geborgenheit. Andere sagen, die vielen Bauprojekte in Paris - etwa die Modernisierung des Stadtbahnhofs Saint-Lazare - schreckten die Nager auf. Zudem ist die Bekämpfung schwierig. Ratten sind schlau und fallen nicht unbedingt sofort auf die Tricks der Menschen herein. So schicken die Ratten alte und kranke Tiere vor, um Speisereste zu kosten. Sind diese vergiftet, und die Tester verenden schnell, dann rühren die anderen Ratten die Köder nicht mehr an. Die Kammerjäger verwenden deswegen lieber langsam wirkende Gifte. Dagegen werden die Ratten jedoch oft schnell immun. Zudem verbieten die Umweltgesetze den Einsatz mancher hochwirksamer Chemikalien.
Fallen, Gifte, Entrattungs-Aktionen - die bis zu einem Pfund schweren Nager werden in Paris als Feinde behandelt. In der ganzen westlichen Kultur gelten sie, im Gegensatz zum Osten, als verschlagen und gefährlich, da sie Krankheiten wie die Pest verbreiten können, die Ernte der Bauern fressen, Wasserleitungen annagen und Stromkabel durchbeißen. Für jeden vierten Brand in Paris seien Ratten verantwortlich, behauptet der Parisien.
Dabei können Ratten durchaus nützlich sein. In der Pariser Unterwelt sind sie gern gesehene Bewohner. Sie fräßen verstopfte Abwasserrohre frei und dienten den Kanalarbeitern als Frühwarnsystem bei Gaslecks und Überschwemmungen, loben die Experten des "Musée des Egouts de Paris", des Pariser Kanalisations-Museums, bei ihren Führungen durch das unterirdische Abwassersystem. Auch die Polizeipräfektur möchte die Ratten nicht wirklich ausrotten. Sie sollen nur unter der Erde bleiben und nicht, wie unlängst geschehen, die Besucher eines feinen Restaurants an den Champs-Élysées verschrecken.
Die feinsinnigen Ratten passen eigentlich gut zur Spitzenküche. Das suggeriert jedenfalls der Kultfilm "Ratatouille" aus dem Jahr 2007. Darin erobert die romantische Wanderratte Rémy, allen Vorurteilen zum Trotz, die Pariser Gourmet-Welt. Am Ende schmachtet sogar der schreckenerregende Großkritiker Ego nach Rémys Gerichten. Der Welterfolg des Films verbesserte das Image der französischen Ratte zunächst beträchtlich. Die Zoohandlungen meldeten signifikant steigende Verkäufe. Bei Kleintiermessen wurde das clevere Tier mit der spitzen Schnauze und den dunklen Knopfaugen zum Star.
Mittlerweile scheint der kurze Ruhm der Ratte zu verblassen. Die Pariser finden, nicht jede Nager sei so nett wie Rémy. Uralte Ängste quellen aus Rinnsteinen und Kellerschächten - die Ratte als Vorbote von Katastrophen. "Am Morgen des 16. April trat der Arzt Bernard Rieux aus seiner Wohnung und stolperte mitten auf dem Flur über eine tote Ratte", heißt es zu Beginn von Albert Camus' berühmtem Roman "Die Pest". Die meisten Franzosen haben das Buch in der Schule gelesen. Das tut dem Ruf der Ratte auch nicht gut. In wenigen Wochen will die Polizeipräfektur Paris wieder zu einer großen Rattenjagd blasen.
